MRZ – Alles im Netz: Großer Ideentausch in Mainz

03.11.2011 – 17:13 Uhr

Mainz – Wer sich für Internet und Netzkultur interessiert, der wird im November in Mainz ziemlich gut bedient. Am 13. findet erstmals TEDxRheinhessen statt, eine Woche danach folgt die dritte Auflage des Barcamps Rhein-Main.

Ein Schwerpunkt dieses Camps am 19. und 20. November sollen Themen sein, die in den vergangenen Wochen heiß diskutiert wurden: Trojaner, Datenschutz, Facebook. Laut Homepage geht es auch um Communities und soziale Netzwerke, Webdesign und Programmierung, E-Commerce und ganz allgemein um die weitere Entwicklung der Onlinemedien.

Wer jetzt von manchen Begriffen ein wenig überrollt ist, der muss sich nicht sorgen. Denn eine Nerd-Veranstaltung soll das Ganze nicht werden, wie Sprecher Reto M. Kiefer erklärt: „Man braucht keine Vorkenntnisse in Sachen Netzkultur, ein Interesse am Medium Internet reicht völlig aus. Es gibt auch jede Menge nicht-technische Vorträge aus allen Bereichen des digitalen Lebens.“

Letztlich gehe es darum, so wie das Internet als Medium Informationen und Wissen bereithält und vervielfältigt, dieses Teilen von Wissen in einer Community fortzuführen. Die meisten Teilnehmer leben Kiefer zufolge mit dem Internet oder von ihm: „Ein Barcamp ist auch eine Gelegenheit, sich auf das Prinzip der Wissensteilung zu besinnen und etwas in die Community zurückzugeben.“

Wichtig ist den Veranstaltern vom Verein Netzkultur Rhein-Main und vom Institut für Informatik der Mainzer Uni, dass die Konferenz eigentlich eine Un-Konferenz ist. Soll heißen: Sie stellen Räume zur Verfügung, um alles Weitere kümmern sich die Internetexperten, Blogger, Software-Entwickler, Startup-Gründer und interessierten Laien selbst. Passive Zuschauer soll es nicht geben, jeder ist Teilnehmer und kann Vorträge halten und mitdiskutieren. Jeweils am Morgen entscheiden die Teilnehmer, wann welches Thema diskutiert wird.

Wer nicht persönlich im Informatikinstitut auf dem Unicampus sein kann, der findet Vorträge und Präsentationen im Netz. Bei Twitter kann man die Veranstaltung mitverfolgen (twitter.com/bc_rm), zusätzlich werden viele Teilnehmer bloggen.

TEDx goes Rheinhessen

Gute Ideen unters Volk bringen – kurz gefasst ist das das Ziel von TEDxRheinhessen. Die Ideenbörse zu Technologie, Entertainment und Design findet am 13. November erstmals in Mainz statt. Initiator ist Designer Alex Boerger.

TEDxRheinhessen ist einer von mittlerweile zahlreichen lokalen Ablegern der 1984 von Richard Saul Wurman gegründeten TED-Initiative. Seit einigen Jahren leitet der Journalist Chris Anderson die Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in New York City und Vancouver. Regelmäßig treffen sich führende Köpfe und prominente Persönlichkeiten wie Bill Clinton, James Cameron, Michelle Obama, Al Gore, Jamie Oliver oder der kürzlich verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs zu Großkonferenzen und referieren über Themen aus unterschiedlichen Lebensbereichen. Die Vorgabe: Halte in 18 Minuten die Rede deines Lebens! Bis zu 6000 Dollar berappen die Teilnehmer für den Eintritt.

Für die rheinhessische Variante im Peng, Rheinallee 79-81, sind bislang acht Vorträge à 18 Minuten geplant. „Unser Ziel ist, interessante Personen nach Mainz zu holen, um Netzwerke zu schaffen und zu erweitern. Im Vordergrund steht der Austausch von Ideen zu den Themen Technologie, Entertainment und Design“, erklärt Boerger und gesteht: „Wir sind etwas designlastig. Das liegt daran, dass die Hauptorganisatoren Sonja Hahn und ich selbst Designer sind.“

Unter den Sprechern sind zwei Lokalmatadoren: Kommunikationsdesigner Melih Bilgil ist in den Bereichen Motion-, Screen- und Grafikdesign tätig und hat sich unter anderem auf das Erklären von komplexen Sachverhalten spezialisiert. Siri Poarangans Vortrag heißt „Decode Unicode“ und dreht sich um Schreibsysteme. Zu Gast sind auch die Macher von Souvenir Frankfurt, ein Anlaufpunkt, der zugleich Andenkenladen, Infotainmentcenter und Startpunkt für außergewöhnliche Stadtführungen ist.

Weiterhin sind dabei: Bernd Ternes – der Soziologe spricht über „technogene Nähe“. Unternehmer Uwe Lübbermann hat laut Boerger seine eigene Cola-Firma gegründet, nachdem ihm gängige Colasorten nicht mehr geschmeckt haben. Mitarbeiter des Strukt Studios berichten unter anderem von interaktivem Design, Vanessa Boysen berichtet über Personalmarketing im digitalen Zeitalter und Rainer Sax erklärt, wie Design alltägliche Dinge besser machen kann.

Planung läuft seit 2010

Die Idee zur Veranstaltung hatte Boerger bereits im vergangenen Jahr, nachdem er ausgewählte TED-Vorträge der US-Konferenzen im Pengland gezeigt hatte. Er beantragte eine Lizenz, bekam grünes Licht und machte sich an die Umsetzung von TEDxRheinhessen. Die Teilnahme in Mainz ist kostenfrei, allerdings gibt es nur 40 Plätze.

Wer es nicht unter die 40 schafft, aber dennoch eine Spitzenidee hat, die dringend unter die Leute muss, der kann sie am 12. November im Pengland vortragen. Bei der offenen Bühne gilt es in fünf Minuten kurz und knackig seine Gedanken vorzutragen und dann darüber vielleicht ins Hauptprogramm am 13. zu rutschen. Auch hierfür muss man sich anmelden: dabeisein@tedxrheinhessen.de, Betreff „Pengx“.

Passiven Zuschauern sei der Livestream im Internet empfohlen. Außerdem wird später eine Aufzeichnung veröffentlicht.

Für junge Internetfans gibt es erstmals TEDxYouth@RheinMain. Organisiert wird der Event am 20. November bei den Informatikern auf dem Unicampus unter anderem von Darren J. Cooper, der auch Initiator des Barcamps ist. Prinzipiell läuft es nach dem selben Modell wie die erwachsene Variante: Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren stellen ihre Ideen vor. Dafür werden sie speziell gecoacht und unterstützt. Falls sich nicht genügend Vortragswillige finden, läuft der Event einfach als große Diskussionsrunde ab.

„Wir haben in jedem Fall auch erwachsene Redner, die kindgerecht Themen aufbereiten“, erklärt der Computerbastler und Programmierer Cooper. „Ein Martial-Arts-Meister zum Beispiel spricht über Selbstvertrauen: Habe Mut, deinem Inneren zu vertrauen und wenn du etwas willst, dann folge deinem Herzen!“ Ein anderer erklärt amüsant und kindgerecht, wie Computer funktionieren. Auch Cybermobbing und soziale Netzwerke können Thema werden, wenn die jungen Teilnehmer das wollen. Dazu gibt es Projekträume, in denen sich die Kids künstlerisch austoben oder elektronische Bastelarbeiten machen können.

Von unserer Redakteurin Alexandra Schröder

Weitere Infos und Anmeldung im Internet unter www.barcamp-rheinmain.de, www.tedxrheinhessen.de und www.tedxrheinmain.de/youth.

Quelle: http://www.mainzer-rhein-zeitung.de/mainz_artikel,-Alles-im-Netz-Grosser-Ideentausch-in-Mainz-_arid,330868.html